PTBS – Warnsignale bei Angehörigen erkennen

Ein schlimmer Unfall, der Tod eines geliebten Menschen, ein schreckliches Ereignis, erlebte Gewalt oder Missbrauch: Ob eine einzige Situation, andauerndes Leid oder eine Kombination aus unterschiedlichen traumatischen Geschehnissen – wenn Schreckliches unverarbeitet bleibt, kann es zu großem seelischen Leidensdruck führen. Falls ein Ihnen nahestehender Mensch ein solches Trauma erlitten hat, können die Folgen nicht nur sein Leben, sondern auch das des gesamten Umfelds stark belasten. Erfahren Sie, welche Warnsignale bei Angehörigen auf eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) hinweisen können, wie Sie angemessen reagieren und warum rechtzeitige professionelle Unterstützung so wichtig ist.

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines jungen Mannes mit Brille und Kapuzenjacke, der im Zentrum sitzt mit zwei unscharfen Silhouetten im Vordergrund.

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Eine junge Frau mit Zopf und gestreiftem Hemd sitzt auf einem rosa Stuhl und blickt aufmerksam zu ihrem Gegenüber.

Was ist eine PTBS?

Eine posttraumatische Belastungsstörung nach ICD (dem Kodierungssystem für die Klassifizierung von Erkrankungen) beschreibt eine dauerhafte Folge schwerer Traumata mit bestimmten Symptomen und Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit. Eine PTBS entsteht beispielsweise nach dem Erleben oder Miterleben eines traumatischen Erlebnisses wie (sexueller) Gewalt, schweren Unfällen, Naturkatastrophen oder belastenden Verlusten. Das ICD-11 verifiziert vier typische Symptomcluster: Wiedererleben (Intrusion), Vermeidung, andauernde Wahrnehmung von Bedrohung (Hyperarousal inkl. Schlafstörungen, Reizbarkeit) sowie beeinträchtigte Funktionsfähigkeit. Die Störung kann sowohl die seelische als auch die körperliche Gesundheit betreffen. Charakteristisch sind Flashbacks, wiederkehrende Albträume und das Gefühl, das Erlebte ständig erneut durchzumachen. Hinzu kommen oft auch Schlafprobleme, Ängste, Übererregung und Vermeidungsverhalten. Betroffene ziehen sich zurück, reagieren gereizt oder wirken emotional entkoppelt. Eine unbehandelte PTBS kann chronisch werden und mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen einhergehen. Deshalb ist es wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Ein älterer Mann mit grauem Haar, Vollbart und Brille sitzt auf einer Bank und unterhält sich mit einer Frau in einem orangefarbenen Oberteil.

So erkennen Sie PTBS bei Angehörigen

Nicht immer ist es für Angehörige leicht zu erkennen, warum sich das Verhalten, Denken oder die Gefühlswelt eines geliebten Menschen massiv verändert – vor allem, wenn dies durch eine weit zurückliegende Traumatisierung geschieht. Betroffene meiden unter anderem plötzlich Orte, Situationen oder Menschen, die sie an das Geschehene erinnern könnten, was einen zunächst irritiert oder sogar wütend macht. Andere zeigen eine ungewöhnlich starke Schreckreaktion, wirken dauerhaft angespannt oder berichten von körperlichen Symptomen wie Herzrasen und Panikreaktionen. Auch psychische Veränderungen wie Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, dissoziative Symptome und sozialer Rückzug sind weitere häufige Begleiterscheinungen. Achten Sie bei Ihrem Angehörigen darauf, ob er sich über einen längeren Zeitraum hinweg Gefühls-leer, gereizt, negativ, distanziert oder entfremdet verhält – all dies kann auf eine seelische Belastung im Rahmen einer PTBS hindeuten. Zeigt Ihr Angehöriger selbstverletzendes Verhalten oder äußert er sogar Suizidgedanken, müssen Sie sofort reagieren: Verständigen Sie den Rettungsdienst oder Sofort-Anlaufstellen wie die Seelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222.  

Zwei junge Frauen unterhalten sich im Gehen im Freien, während eine von ihnen einen Kaffeebecher in der Hand hält.

Rolle von Angehörigen bei der Erkennung von PTBS

Als Nahestehender sind Sie oft eine der ersten Personen, die Veränderungen im Wesen oder im Verhalten eines Angehörigen wahrnimmt. Ihre Unterstützung kann entscheidend sein, damit der traumatisierte Mensch die Krankheit nicht weiter verdrängt. Daher thematisieren Sie Ihre Eindrücke. Versuchen Sie wertfrei zuzuhören, Verständnis zu zeigen und Sicherheit zu geben. Wichtig ist, drängen Sie dabei nicht darauf, über das Trauma oder ein belastendes Ereignis zu sprechen, sondern signalisieren Sie, dass Sie da sind und dabei helfen wollen. Wichtig ist, versuchen Sie ohne Druck dabei zu unterstützen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Nur eine fundierte, sorgsame Diagnostik kann Aufschluss darüber geben, welchen Ursprungs die körperlichen und seelischen Symptome sind, eine PTBS bestätigen oder abgrenzen und auch den Zusammenhang mit anderen psychischen oder physischen Begleiterkrankungen herstellen. Die Ursachen und Folgen einer PTBS können nicht nur für den Betroffenen schwer zu verarbeiten sein! Sollten Sie merken, dass auch Sie dadurch belastet sind, suchen Sie sich Rat – Gespräche mit Fachleuten oder Austausch in Angehörigengruppen können entlastend wirken und helfen, die Erkrankung besser zu verstehen. Hier finden Sie mehr Informationen zum Umgang mit einem traumatisierten Menschen.

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