Essstörung – Warnsignale bei Angehörigen erkennen

Bemerken Sie bei einem Ihrer Angehörigen, dass sich sein Essverhalten stark verändert? Achtet er plötzlich extrem auf Kalorien, Lebensmittel oder Zubereitung, möchte er nicht mehr in Gesellschaft essen oder fallen plötzlich vermehrt Sätze wie “Ich habe schon gegessen und keinen Hunger”. Oder häufen sich plötzlich regelrecht nächtliche Besuche am Kühlschrank, konsumiert er Essen weit über “Maß & Mitte” hinaus oder beobachten Sie, dass nach Mahlzeiten auffällig häufig direkt das Badezimmer aufgesucht wird? Erkennen Sie bereits Veränderungen im Gewicht, aber auch in der Stimmung oder dem Sozialverhalten? Und vor allem, sind sie besorgt darüber, dass das Essen plötzlich sehr viel emotionalen und zeitlichen Raum im Leben Ihres Partners oder Familienmitglieds einnimmt. All dies könnte auf eine Essstörung hinweisen. Für Angehörige ist es oft schwer, die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen, da Betroffene ihr Verhalten mitunter verheimlichen oder stark verharmlosen. Erfahren Sie, welche typischen Symptome bei einer Essstörung auftreten, welche Rolle Angehörige haben und warum eine frühe Unterstützung entscheidend ist.

Eine silberne Gabel liegt auf einem weißen Keramik Teller

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Eine Frau sitzt auf einer Liege und wird von einem Arzt untersucht

Was sind Essstörungen?

Essstörungen sind weitverbreitet und stellen im Sinne der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10/ICD-11) psychische Erkrankungen dar, die durch einen gestörten Umgang mit Essen und dem eigenen Körperbild gekennzeichnet sind. Dazu zählen u. a. Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa, auch „Ess-Brech-Sucht“) oder die Binge-Eating-Störung. Während sich Magersucht vor allem durch Nahrungsverweigerung und massiven Gewichtsverlust zeigt, sind für Bulimie wiederholte Essanfälle mit anschließendem Erbrechen oder anderen kompensatorischen Maßnahmen typisch. Bei Binge Eating nehmen Betroffene regelmäßig sehr große Nahrungsmengen zu sich – ohne danach Maßnahmen zur Gewichtsreduktion zu ergreifen. Unbehandelt können alle Formen schwerwiegende körperliche - von massivem Nährstoffmangel, ungesunden BMI bis zu Adipositas, die allesamt große Risiken für das Herz-Kreislauf-System und andere organische Beschwerden darstellen. Im Gegensatz zu den meisten psychischen Erkrankungen, sind die Folgen meist deutlich sichtbar, dabei liegen die Ursachen meist sehr tief und unsichtbar in der Seele verankert. Eine ganzheitliche, sorgsame Diagnostik ist entscheidend und dringend notwendig, um die Symptome genau zu verifizieren, in Zusammenhang zu bringen, eine genaue Abgrenzung vorzunehmen und schnellstmögliche medizinische sowie therapeutische Maßnahmen einzuläuten.   

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Eine Patientin mit Essstörung nimmt gemeinsam mit anderen Patienten an einer Gruppentherapie teil.

So erkennen Sie Essstörungen bei Angehörigen

Hinweise auf eine Essstörung zeigen sich nicht nur beim Essen selbst, sondern auch im Alltag. Vermeidung gemeinsamer Mahlzeiten, auffällige Diätregeln oder das ständige Kontrollieren des eigenen Körpers sind typische Warnzeichen. Weitere Symptome können übermäßiger Sport, starke Gewichtsschwankungen, aber auch wiederholte Essanfälle in Stresssituationen, Fressattacken ohne Hunger- oder Sättigungsgefühlsanzeichen, große Unzufriedenheit mit dem eigenen Körperbild oder das Verschwinden nach Mahlzeiten sein. Auch Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Schlafprobleme, Antriebslosigkeit oder sozialer Rückzug treten häufig auf. Vor allem dann, wenn Vermeidungsstrategien, Konflikte oder auch “Heimlichtuerei” rund um das Thema Essen deutlich werden, ist Wachsamkeit geboten. Problematisches Essverhalten geht in vielen Fällen mit anderen mentalen Belastungen als verstärkende oder zugrundeliegende Ursachen einher. Depressionen, Angststörungen, PTBS, ADHS oder Zwangserkrankungen sind typische Begleiter oder Auslöser dieses Störungsbildes. Sollten diese Erkrankungen bei ihrem Angehörigen diagnostiziert sein oder sich typische Merkmale dieser ernst zu nehmenden psychischen Krankheiten zugleich aufzeigen, sollte unbedingt professioneller Rat hinzugezogen werden.

Eine Patientenmanagerin sitzt mit einer Patientin an einem Tisch. Sie ist im Fokus.

Rolle von Angehörigen bei der Erkennung von Essstörungen

Essstörungen sind ein hochsensibles Thema, das von den Angehörigen immenses Verständnis und sehr viel “Fingerspitzengefühl” abverlangt, da sich Betroffene häufig schämen, sich schnell distanzieren oder in ihrem Essverhalten kein Problem erkennen. Angehörige spielen eine zentrale Rolle, da sie die Veränderungen im Verhalten oft zuerst wahrnehmen. Da es Betroffenen meist selbst um Kontrolle geht, ist es wichtig, nicht ebenfalls kontrollierend oder vorwurfsvoll aufzutreten. Das verstärkt schnell den Widerstand und fördert den Rückzug. Stattdessen sollten Sie empathisch bleiben, aufmerksam beobachten und das Gespräch behutsam suchen. Vermitteln Sie wertfrei, dass Sie sich Sorgen machen und Unterstützung anbieten möchten – ohne Druck, aber mit einfühlsamer Bestimmtheit. Aufgrund des erheblichen Risikos für bleibende oder sehr akute körperliche Folgen, ist es aber wichtig, zu versuchen, professionelle Unterstützung zu vermitteln. Vor allem dann, wenn sich das Verhalten manifestiert und bereits erhebliche Belastungen im Alltag, Berufsleben oder im familiären und sozialen Umfeld daraus entstanden sind. Hier finden Sie mehr Informationen zum Umgang mit einem Menschen, der an einer Essstörung erkrankt ist.

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