Bulimie – Warnsignale bei Angehörigen erkennen

Bemerken Sie, dass Ihr geliebter Angehöriger sehr schnell nach den Mahlzeiten im Bad verschwindet? Ist Ihnen aufgefallen, dass das Thema „Essen“ und das eigene Körperbild viel mehr Raum und Intensität einnehmen, als es früher der Fall war? Haben Sie Anzeichen wahrgenommen, dass plötzlich große Mengen von Essen „heimlich“ oder zu ungewöhnlichen Tages- und Nachtzeiten verzehrt werden – ohne dass es größere Schwankungen im Gewicht gibt? All das können warnende Hinweise auf eine Bulimie sein. Diese Form der Essstörung zählt zu den häufigsten Essstörungen und bleibt oft lange verborgen. Viele Betroffene wirken nach außen „normal“, während sie im Geheimen unter Essanfällen und anschließenden Gegenmaßnahmen leiden. Für Angehörige ist es daher nicht leicht, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Hier erfahren Sie, welche Symptome typisch sind, wie Sie unterstützend handeln können und warum rechtzeitige professionelle Hilfe entscheidend ist.

Blick in einen abgedunkelten Badezimmerraum mit einer geöffneten Toilette, Klosettschild bzw. Klosettbürste und einem Urinal an der Wand.

Wir sind für Sie da: kompetente Hilfe bei der Wahl der richtigen Therapie.

Ein reichlich gedeckter Frühstückstisch mit Brötchen, gekochten Eiern, Tassen und frischen Blumen vor einem hellen Fenster.

Was ist Bulimie?

Die Bulimia nervosa beschreibt wiederkehrende Essanfälle mit fehlgesteuerter Impulskontrolle mit kompensatorischen Maßnahmen, die regelmäßig (mindestens einmal wöchentlich über 3 Monate) vorkommen. Darüber hinaus geht das gestörte Essverhalten mit übermäßiger Beschäftigung mit dem Gewicht und der Körperform einher. Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, ist im Sinne der Krankheitsklassifikation (ICD-10, ICD-11 und DSM-5) eine ernsthafte Essstörung, die meist eng mit anderen psychischen Störungen wie einer Depression, Angststörungen, ADHS, PTBS oder Persönlichkeitsstörungen als Folge, Auslöser oder Verstärker im Zusammenhang steht. Betroffene nehmen in kurzer Zeit große Mengen Nahrung zu sich und versuchen anschließend, das Gewicht durch herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel oder exzessiven Sport zu kontrollieren. Obwohl die Krankheit oft mit Magersucht verwechselt wird, unterscheiden sich beide Störungsbilder. Während bei Magersucht starkes Untergewicht im Vordergrund steht, können Menschen mit Bulimie trotz normalem Körpergewicht schwer erkrankt sein. Unbehandelt führt Bulimie häufig zu ernsthaften gesundheitlichen Folgen wie Elektrolytstörungen, Zahnschäden oder Herzrhythmusstörungen.

Eine medizinische Fachkraft misst manuell den Blutdruck am Oberarm eines Patienten im schwarzen Ärmellos-Shirt.

So erkennen Sie Bulimie bei Angehörigen

Die Krankheit verläuft meist heimlich, doch es gibt Hinweise, die Sie als Angehöriger ernst nehmen sollten. Typische Anzeichen sind häufiges Aufsuchen des Badezimmers direkt nach den Mahlzeiten, auffällige Schwankungen im Gewicht und ein übermäßiges Beschäftigen mit Figur und Kalorien. Auch das Horten von Lebensmitteln, wiederholte Essattacken, Reizbarkeit oder soziale Rückzüge können Hinweise sein. Nicht selten zeigen sich körperliche Symptome wie Zahnschäden, Heiserkeit oder Magenbeschwerden, die durch das wiederholte Erbrechen entstehen. Bleiben diese Signale unbeachtet, kann die Bulimie schwerwiegende Folgen für Körper und Seele haben. Daher ist in jedem Fall eine fachärztliche oder therapeutische Unterstützung zu empfehlen: Nur eine fundierte Diagnostik kann Aufschluss über die Symptome, Ursachen und Folgen geben und andere Krankheitsbilder damit in Zusammenhang bringen bzw. diese abgrenzen. 

Zwei Frauen spazieren nebeneinander über eine sonnige Wiese und unterhalten sich.

Was tun, wenn ein Angehöriger unter Bulimie leidet.

Für Angehörige ist es meist schwer mit der Situation umzugehen, denn es ist viel Geduld, Verständnis und “Fingerspitzengefühl” geboten, da die Betroffenen selbst das Verhalten nicht thematisieren oder ändern wollen bzw. können, sich ertappt fühlen und sich distanzieren. Hilflosigkeit, große Sorge, Überforderung und sogar Wut auf den Betroffenen sind darauf nachvollziehbare menschliche Reaktionen, für die sie sich nicht schämen müssen. Bitte bedenken Sie aber, Essstörungen haben tief liegende Ursachen und bedingen Verhaltensweisen, die von Ihrem Angehörigen nicht selbstbestimmt oder “Ihnen zuliebe” einfach durchbrochen werden können. Ihre Aufgabe ist es, diese Muster nicht zu ignorieren, sondern einfühlsam zu thematisieren und Hilfestellung anzubieten. Suchen Sie wertfrei und ohne Schuldzuweisung oder Vorwürfe das Gespräch. Und versuchen Sie nicht, das Essverhalten zwanghaft zu kontrollieren. Stattdessen können Sie ermutigen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Denken Sie dabei auch stets an Ihre eigene Entlastung: Gespräche mit Therapeuten oder Austauschgruppen können Ihnen helfen, die Folgen der Erkrankung für das Umfeld besser zu verarbeiten. Hier finden Sie mehr Informationen zum Umgang mit einem Menschen, der an einer Bulimie erkrankt ist.

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