Hypochondrie (Krankheitsangst)
Der Begriff Hypochondrie, in der Fachsprache häufig als hypochondrische Störung oder Krankheitsangst bezeichnet, beschreibt eine ernstzunehmende psychische Störung. Ein Patient, der an dieser Störung leidet, ist ununterbrochen von der Angst getrieben, an einer schweren Krankheit zu leiden oder eine solche in naher Zukunft zu entwickeln. Anders als bei einer umsichtigen Sorge um die eigene Gesundheit, bei der Vorsorge als normal und gesund gilt, steigert sich die Angst hier in ein krankhaftes Ausmaß. Der Betroffene beobachtet seinen eigenen Körper übermäßig genau und interpretiert selbst kleinste, eigentlich harmlose körperliche Symptome sofort als Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung oder gar tödliche Krankheit. In der Medizin zählte dieses Phänomen lange zu den somatoformen Störungen, wird heute jedoch spezifischer gefasst. Entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil ist der Hypochonder keineswegs ein „eingebildeter Kranker“, und auch die Behauptung, Menschen mit Hypochondrie seien zwangsläufig Narzissten, ist fachlich falsch. Das Leiden der Betroffenen ist absolut ernst und real. Sie empfinden oftmals tatsächliche Schmerzen oder Missempfindungen, die psychosomatisch durch die extreme Dauerbeobachtung und innere Anspannung ausgelöst werden. Somit kann Hypochondrie durchaus spürbare körperliche Beschwerden nach sich ziehen, auch wenn ärztlich nachgewiesen wird, dass keine organische Ursache vorliegt.
Typische Symptome äußern sich in erster Linie durch exzessives Kontrollverhalten (Body-Checking) und die ständige Suche nach Rückversicherung durch einen Arzt. Obwohl medizinisch immer wieder bestätigt wird, dass keine schwere Erkrankung vorliegt, hält die Beruhigung nur kurz an. Schon bald wird erneut jede verfügbare Information – sei es durch das Lesen unzähliger Online-Artikel oder das Anschauen von einem medizinischen Video im Netz – aufgesogen, was die Angstspirale stark antreibt. Hinter dieser ausgeprägten Sorge verbergen sich als Ursache oftmals tieferliegende psychische Belastungen, traumatische Erfahrungen mit körperlichen Krankheiten im nahen Umfeld oder andere psychische Erkrankungen. Solche Dynamiken können sich altersübergreifend zeigen; auch wenn sich eine allgemeine Angststörung bei Kindern oft anders präsentiert, können hypochondrische Ängste bereits früh entstehen, etwa wenn starke Krankheitsängste im Elternhaus vorgelebt werden. Bezüglich der Frage, wie alt Betroffene werden, gibt es keine Belege, dass die eingebildeten Erkrankungen selbst die Lebenserwartung verkürzen, jedoch kann der chronische Stress den Organismus dauerhaft belasten.
Um die Patienten wirksam zu behandeln, steht in der Disziplin der Psychosomatischen Medizin und Psychiatrie eine zielgerichtete psychotherapeutische Behandlung im Fokus. Voraussetzung für jede Therapie ist stets, dass körperliche Erkrankungen durch gründliche Untersuchungen sicher ausgeschlossen wurden. Ist dies der Fall, hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie als hochwirksam erwiesen. Hierbei lernen die Betroffenen schrittweise, ihre dysfunktionalen Denkmuster zu durchbrechen, körperlich harmlose Signale wieder als solche einzuordnen und das Vertrauen in den Körper zurückzugewinnen. Begleitend helfen alltagsnahe Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, um die chronisch psychisch und physisch spürbare Stressbelastung abzubauen. Auch wenn der Weg herausfordernd ist, muss der Mensch nicht dauerhaft krank bleiben. Mit der richtigen Behandlung kann die hypochondrische Dynamik meist so weit aufgelöst werden, dass wieder ein unbelastetes Leben möglich wird.