Dissoziation

Dissoziation beschreibt eine natürliche Schutzreaktion der Psyche, bei der Wahrnehmung, Gedächtnis, Identität oder das Gefühl für die eigene Umgebung vorübergehend nicht mehr wie gewohnt miteinander verbunden sind. In leichter Form erlebt fast jeder Mensch Momente der Dissoziation, etwa wenn man beim Autofahren kurz gedanklich abschaltet oder in Erinnerungen versinkt, ohne sich später an Details von der zurückgelegten Strecke zu erinnern. Solche alltäglichen dissoziativen Zustände sind harmlos und unterscheiden sich deutlich von den stärker ausgeprägten Formen, die im klinischen Kontext als dissoziative Störungen bezeichnet werden.

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Entscheidend für den Übergang vom Alltagsphänomen zur Störung ist meist ein Bezug zu belastenden oder traumatischen Ereignissen. Wenn etwas Erlebtes für die Psyche zu überwältigend ist, um es in Echtzeit zu verarbeiten, koppelt sie sich schützend ab: Gefühle, Erinnerungen oder Teile der eigenen Identität werden abgespalten. Genau dieser Mechanismus liegt unterschiedlichen Krankheitsbildern zugrunde, von der dissoziativen Amnesie, bei der Erinnerungslücken auftreten, bis zur dissoziativen Identitätsstörung, bei der sich verschiedene Persönlichkeitszustände abwechselnd zeigen können. Dissoziative Symptome treten zudem häufig begleitend bei einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auf.

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In ICD-10 und ICD-11 sowie im DSM-5-TR werden die einzelnen Formen voneinander unterschieden, was in der Praxis wichtig ist, weil das Ausmaß stark variiert und nicht jede Dissoziation gleich einer psychischen Störung entspricht. Popkulturelle Darstellungen, in denen häufig von einer sog. multiplen Persönlichkeit gesprochen wird, greifen dabei meist nur einen kleinen, dramatisierten Ausschnitt eines viel breiteren Spektrums heraus und tragen so zu einem verzerrten, stigmatisierenden Bild bei, das der Lebensrealität Betroffener selten entspricht.

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Für Betroffene fühlt sich Dissoziation häufig so an, als stünden sie neben sich selbst oder als würde die eigene Umgebung fremd und unwirklich wirken, ein Zustand, der beängstigend sein kann und ernst genommen werden sollte. Da dissoziative Reaktionen eng mit unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen verknüpft sind, lässt sich dieser Schutzmechanismus selten allein durch Willenskraft auflösen. Unsere Vincera Privatkliniken bieten eine traumasensible, fachlich fundierte Begleitung, die dabei unterstützt, die eigenen Erlebnisse in einem sicheren Rahmen zu verstehen und wieder mehr innere Verbundenheit zu finden.

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