Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
ME/CFS, ausgeschrieben Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise Chronisches Fatigue-Syndrom, ist eine anhaltende, neurologisch bedingte Erkrankung, die Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS klar von einer normalen Erschöpfung oder einer vorübergehenden Erschöpfungsphase abgrenzen. ME/CFS gilt aber nicht als psychische Krankheit, sondern wird als neurologische Erkrankung klassifiziert, auch wenn die massive Einschränkung des Alltags viele Betroffene zusätzlich seelisch stark belastet. Leitsymptom ist die post-exertionelle Malaise, also eine deutliche Verschlechterung sämtlicher Beschwerden, die erst Stunden oder Tage nach einer eigentlich geringen körperlichen oder geistigen Anstrengung eintreten und sich klar von gewöhnlicher Muskelermüdung unterscheiden.
Begleitend treten häufig eine ausgeprägte orthostatische Intoleranz mit Kreislaufproblemen im Stehen, Schlafstörungen sowie kognitive Einschränkungen wie Konzentrations- und Wortfindungsstörungen auf. Der Schweregrad reicht von leichter Beeinträchtigung im Berufsleben bis zu vollständiger Bettlägerigkeit, und ME/CFS kann grundsätzlich in jedem Alter beginnen, auch wenn es besonders häufig junge Erwachsene betrifft.
Als Auslöser gelten vor allem vorausgehende Infektionen, insbesondere das Epstein-Barr-Virus sowie eine überstandene SARS-CoV-2-Infektion. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl der ME/CFS-Erkrankten deutlich gestiegen. Long COVID und ME/CFS sind dabei nicht gleichzusetzen: Long COVID beschreibt allgemein anhaltende Beschwerden nach COVID-19, während ME/CFS ein eigenständiges, seit Jahrzehnten beschriebenes Krankheitsbild ist, dessen Anerkennung unter anderem durch einen viel zitierten Bericht des früheren Institute of Medicine, heute Teil der National Academies Press, entscheidend vorangetrieben wurde.
Da ein spezifischer Bluttest fehlt, erfolgt die Diagnose als Ausschlussverfahren anhand internationaler Kriterienkataloge, wobei andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sorgfältig ausgeschlossen werden. Eine ursächliche Heilung gibt es bislang nicht, weshalb die Behandlung symptomorientiert erfolgt: Ein bewusstes Haushalten mit der eigenen Energie hilft, belastungsbedingte Rückfälle zu vermeiden, ergänzt durch Maßnahmen gegen einzelne Beschwerden. Gerade weil die Erkrankung das bisherige Leben oft grundlegend verändert, profitieren viele ME/CFS-Patienten zusätzlich von einer einfühlsamen psychotherapeutischen Begleitung. Die Vincera Privatkliniken unterstützen Betroffene dabei, mit dieser tiefgreifenden Veränderung umzugehen und trotz der körperlichen Grenzen neue seelische Stabilität im Alltag zu finden.